Do 13.10.2016, 20:30        
Marianne Dissard      
Desert Chanson
Americana/SingerSongwriter
Trotz ihres französischen Namens hat Marianne Dissard die längste Zeit ihres Lebens in Amerika verbracht. Am 20. Mai 1969 im kleinen französischen Pyrenäen-Dorf Tarbes geboren, zieht sie aufgrund der beruflichen Versetzung ihres Vaters 1985 mit der Familie um nach Phoenix / Arizona.

1989 hält die vom amerikanischen Vorstadtleben gelangweilte 20-Jährige nichts mehr in der Golfmetropole, und sie beschließt, ihr Glück im Studium der Filmwissenschaften in Los Angeles zu versuchen. Da am letzten Abend vor ihrem Umzug die melancholischen Wüstenrocker Giant Sand in der Stadt gastieren, beschließt Dissard, die Show als Abschiedsparty zu nutzen. Wie es der Zufall will, lernt sie nach dem Konzert deren Chef Howe Gelb kennen, der ihr anbietet, fürs erste in seinem Hollywood-Apartment unterzukommen.

Zunächst gibt es keinerlei Anzeichen für eine Karriere als Musikerin. Dissard vertieft sich in ihr Studium, arbeitet an diversen Filmprojekten mit und dreht 1994 in Tucson/Arizona die Dokumentation "Drunken Bees" über Giant Sand. Kurz darauf lernt Marianne Dissard Ex-Giant Sand-Mitglied und Calexico-Begründer Joey Burns kennen, der gerade nach Inspirationen zu einem Song über Westernklischees sucht. Als die angestammte Cineastin Dissard ihm von ihrem Lieblingswestern "The Ballad Of Cable Hogue" erzählt, löst sie dessen Schreibblockade und provoziert die Gegenfrage, ob sie den Song nicht gemeinsam mit ihm einsingen könnte. Sie kann, und wie! Die Nummer erscheint auf dem Calexico-Werk "Hot Rail" (2000) und mausert sich zum Szene-Hit. Parallel zum erfolgreichen Gesangdebüt wächst die Lust der Filmemacherin am Verfassen von Songtexten, die sie dem Calexico-Nebenprojekt ABBC sowie der Französin Francoiz Breut zur Verfügung stellt.

In der Folge ist es erneut Joey Burns, der Dissard überredet, mit seiner Hilfe den Sprung von der Texterin zur Sängerin zu meistern. Das Projekt "L'entredeux" nimmt erste Formen an, als Session-Demos des Duos per Download im Netz auf positive Resonanz stoßen. Zwischen 2006 und 2008 arbeiten die beiden, immer wieder von Calexico-Tourneen unterbrochen, an den Aufnahmen. Vom Ergebnis schwärmte der Spiegel folgendermaßen: „Welches Wunder frische Ideen oft bewirken, belegt das Album, das Calexico-Co-Chef Joey Burns mit dieser Exil-Französin eingespielt hat. Herrlich verschmelzen da alte europäische Wehmut und Eleganz des Chansons mit der Einsamkeit durchglühter amerikanischer Western-Landschaften."

Inzwischen hat Marianne Dissard mit ihren insgesamt sechs eigenen Alben mit Künstlern und Bands wie Calexico, Howe Gelb, Naïm Amor, Sergio Mendoza und Brian Lopez sowie Amparo Sanchez, Françoiz Breut, Fredda, dem belgischen Rockstar Arno, dem in Berlin arbeitenden Choreographen Ami Garmon, dem italienischen Komponisten Christian Ravaglioli oder den Produzenten BK-One und Budo zusammengearbeitet.

Dissard vertraut ausschließlich auf ihre Geburtssprache, wodurch ihr eine einzigartige, faszinierende und facettenreiche Chanson-Americana-Desert-Rock-Mischung gelingt. Diese wird sie im Lab mit ihrer brandneuen, ausschließlich aus jungen Musikerinnen aus ihrer Wahlheimat Tucson bestehenden Band vorstellen. Bei der aktuellen Tour macht sie in Deutschland neben Stuttgart sonst nur in Berlin und Dresden Halt, die Lab-Show sollte man sich also als im Südwesten beheimateter Fan der Musik von Calexico, Giant Sand & Co. keinesfalls entgehen lassen.

Vicki Brown – Geige, Gesang
Brittany Katter – E-Bass, Percussion
Marianne Dissard – Gesang, Computer
Annie Dolan – Gitarren, Gesang
 
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